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Ausgewählter Beitrag: Klaus Schönhoven – 100 Jahre Freistaat Bayern

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100 Jahre Freistaat Bayern
Zur Rolle der SPD als Wegbereiter der sozialen Demokratie in Bayern

Ein Vortrag von Prof. Dr. Klaus Schönhoven, gehalten in der Akademie Frankenwarte Würzburg, zeigt die führende Rolle der SPD bei der Bildung des Freistaats Bayern, was von der CSU bei den Feierlichkeiten zu 100 Jahre Freistaat Bayern gerne verschwiegen wurde und noch wird.

Am 8. November 1918 veröffentlichten die Münchner Neuesten Nachrichten einen Aufruf, an dessen Anfang der knappe Satz stand: „Bayern ist fortan ein Freistaat“. Diesen Aufruf hatte Kurt Eisner verfasst, als er nach einer Friedenskundgebung auf der Theresienwiese in München den unblutigen Regimewechsel von der Monarchie zur Republik in Bayern durchgesetzt hatte. Heute ist der Begriff „Freistaat“ ein identitätsstiftendes Markenzeichen des Bundeslandes Bayern, dessen politisch-kulturelle Repräsentation die CSU für sich allein beansprucht. Sie hat die Staatsbezeichnung „Freistaat“ adoptiert und in ihre weiß-blaue Farbenlehre integriert. Dabei klammerte sie aus, dass diese verfassungsrechtliche Definition Bayerns als Republik auf revolutionäre Wurzeln zurückgeht und dass sie ursprünglich alles andere als ein Markenzeichen des bayerischen Föderalismus war.

Mit ihrer Übernahme des von Eisner geprägten Begriffs „Freistaat“ wollte die CSU ihr regionales Sonderbewusstsein auch emotional untermauern. Dabei ging es der CSU vor allem um die Rechtfertigung der bayerischen Eigenstaatlichkeit, deren Charakteristika sie als bayerische „Staatspartei“ in vielfältigen Formen widerspiegeln will. Sie reichen von der demonstrativ zur Schau gestellten Volkstümlichkeit der CSU, in der Laptop und Lederhose die Identität der Partei handfest charakterisieren sollen, über ihren immer wieder praktizierten partikularistischen Eigensinn, wenn es ihr um die Bewahrung der historischen Sonderrolle Bayerns und dessen spezifischer Identität als weiß-blaue „Heimat“ geht, bis hin zu ihrem politischen Drohpotential auf der Bundesbühne, mit dem sie immer wieder Regierungskrisen in Berlin anfacht.

Wenn man jedoch die historische Herkunft und die verfassungsrechtliche Bedeutung des Begriffs „Freistaat“ analysiert, dann kommt man zu einem etwas anders akzentuierten Befund, der sich nicht einfach in die krachlederne Selbstdarstellung der CSU integrieren lässt. Denn deren permanente Inszenierung als Hüter der bayerischen Staatstradition wird von parteipolitischer Überheblichkeit und historischer Vergesslichkeit überformt. Die CSU verdrängt nämlich konsequent, dass die Gründung des demokratischen Bayerns als „Freistaat“ eine historische Leistung der politischen Linken war.

Im revolutionären Ursprung dieses Begriffs spiegelt sich vor allem die Idee der republikanischen Freiheit wider. Ein Freistaat sollte, wie Eisner als der Gründer des Freistaates Bayern im November 1918 beton hat, nicht mehr wie ein monarchischer Obrigkeitsstaat regiert werden, sondern vielmehr ein demokratischer und sozialer Rechtsstaat sein, in dem die Volkssouveränität verwirklicht war.

• • • • • Den ganzen Vortrag können Sie ► hier lesen oder herunterladen


Schönhoven machte 1963 das Abitur in Würzburg und studierte anschließend Geschichte, Politische Wissenschaft und Germanistik an den Universitäten Würzburg und München. 1971 wurde er in Würzburg mit einer Arbeit über Die Bayerische Volkspartei 1924 bis 1932 promoviert. Von 1971 bis 1979 war er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Geschichte der Universität Würzburg. Nach der Habilitation mit der Untersuchung Expansion und Konzentration. Studien zur Entwicklung der Freien Gewerkschaften im Wilhelminischen Deutschland 1890-1914 und der Ernennung zum Privatdozenten vertrat er zwischen 1979 und 1984 Lehrstühle für Neuere und Neueste Geschichte an den Universitäten Trier und Göttingen. Zugleich war er von 1980 bis 1984 Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Heisenberg-Programm. Im Herbst 1984 wurde er als Professor für Politische Wissenschaft und Zeitgeschichte an die Universität Mannheim berufen.

Schönhoven hat sich einen Namen als Sozialhistoriker und Historiker der deutschen Arbeiterbewegung gemacht, deren Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert im Mittelpunkt seiner Forschungen steht. Neben Studien zur Geschichte der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie hat er eine Reihe von zeithistorischen Arbeiten verfasst, die Themenfelder der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert (Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Bundesrepublik) detailliert ausleuchten.

Quelle: Wikipedia