Der ehemalige Vorstand des Kommunalunternehmens des Landkreis Würzburg, Prof. Dr. Alexander Schraml, gab im übervollen Versammlungsraum der Mehrzweckhalle bei Kaffee und Kuchen einen Überblick über Stand und Zukunft der kommunalen Altenhilfe. Die Region Würzburg steht im Bundesvergleich gut da, aber die Herausforderungen durch den demografischen Wandel und besonders die Kostensteigerungen belasten das System Pflege. Dies macht aus Schramls Sicht weitere neue Ansätze nötig.
Für fitte ältere Bürger (die „Go-Gos´“) ist das sogenannte Service-Wohnen weiter auszubauen. Für die Älteren mit einer hohen Pflegestufe (die „No-Go´s“) ist weiter das Pflegeheim gedacht. Hier ist man in Stadt und Landkreis Würzburg gut aufgestellt, aber die Kosten auch auf Grund einer großen Bürokratie und Überregulierung steigen rasant.
Gerade das Thema der Eigenanteile spielte im Gespräch mit Schraml eine große Rolle. Insbesondere für leichtere Pflegefälle (die „Slow-Go´s“) ist die Situation schwierig: Nach dem Zusammenbruch der geriatrischen Rehabilitation auch in Würzburg wird für diese Gruppe die Kurzzeitpflege, die ambulante Pflege und die Tagespflege immer wichtiger. Hier können ergänzend auch betreute Wohngemeinschaften ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.
In Gerbrunn gibt es wegen der Nähe zu Würzburg akut keinen Bedarf für ein großes Pflegeheim. „Eine Tagespflege im Rahmen eines Begegnungs- oder Familienzentrums wäre für Gerbrunn optimal“, so Gerbrunns Bürgermeister Stefan Wolfshörndl. Auch kann sich der Bürgermeister den Bau von mehreren betreuten Wohngemeinschaften vorstellen, um Pflege auch in Gerbrunn vor Ort sicher zu stellen.
In der lebhaften Diskussion ging es um die wechselvolle Geschichte des Gerbrunner betreuten Wohnens. Dies ist eine rein private Wohnanlage mit der Möglichkeit Service- und Pflegeleistungen individuell hinzuzubuchen.
Ein weiteres Thema waren die stetig steigenden Kosten der Pflege. Nach Schraml sind hier vor allem die Personalkosten und die sogenannten Investitionskosten, d.h. die Kosten für Bau und Erhalt der Einrichtung, das größte Problem. Hier müsste das Geflecht zwischen Kommunen, Kassen und öffentlichen wie privaten Betreibern neu geordnet werden.
Wichtig, so Schraml abschließend, ist eine Umkehr der Lasten. Betroffene müssen über fixe Eigenanteile von jährlichen Kostensteigerungen in der Pflege geschützt werden.
„Das Thema Älter werden in Gerbrunn war absolut richtig, meinte abschließend Bürgermeister Stefan Wolfshördl und die Kommunalpolitik in der Gemeinde wird sich sicher neben Projekten wie Kita oder Schule auch mit dem Thema wohnortnahe Seniorenbetreuung beschäftigen müssen“.