Mit der Vorführung des Films „Der marktgerechte Mensch“ setzte die SPD Gerbrunn ihre Reihe mit Filmen des "Film von Unten"- Projekts fort- als erste Veranstaltung in der Kulturbühne Gerbrunn nach dem Lock-Down. In dem Film wurden verschiedene neue Modelle der „Kapitalisierung“ des Menschen beleuchtet, von der Ausbeutung in Niedriglohn-Ländern über prekäre Arbeitsverhältnisse in Deutschland – einschließlich der auch für Gerbrunn bedeutsamen Zeitverträge an den Universitäten. Dies führt zu Vereinzelung wie das wachsende Freiberuflertum, Arbeit auf Abruf, aber auch zu den Trends zur Selbstoptimierung, verstärkt durch die Abhängigkeit vom Smartphone.
In der anschließenden, von Clemens Kuebart moderierten Diskussion, ergänzte MdB Bernd Rützel, dass sich diese Vereinzelung auch an der sinkenden Organisation der Arbeitgeber in den Gewerkschaften zeigt. „In der Textilindustrie sind nur noch 2% der Arbeitgeber organisiert“, so Rützel. Andererseits konnte er als Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales erfreulicherweise feststellen, dass einige der angesprochenen Probleme wie Ausbeutung in Niedriglohnländern durch neue Gesetze wie das gerade beschlossene Lieferkettengesetz, für das er Berichterstatter der SPD Fraktion war, zumindest gemildert wurden. Ein Ansatz ist gemacht, aber es bleibt noch einiges zu tun.
Auch das kürzlich gegen große Widerstände gebilligte Betriebsrätemodernisierungsgesetz kann helfen, einige der angesprochenen Entwicklungen zu kanalisieren. Die Wahl von Betriebsräten wird vereinfacht und die Rechte des Betriebsrats bei der Weiterbildung, dem Einsatz von künstlicher Intelligenz und bei mobiler Arbeit gestärkt.
In der Diskussion wurde die Situation vom Publikum sehr ähnlich gesehen und auch auf das Leiharbeiterwesen hingewiesen, bei dem ja unglaubliche Zustände zutage kamen. MdB Rützel betone, dass eine faire Behandlung ausländischer und inzwischen unentbehrlicher Arbeitnehmer Voraussetzung für ein wirtschaftlich erfolgreiches Deutschland sein wird. Als Fazit bleibt, dass trotz einiger Erfolge weiterer Einsatz für eine gerechte Wirtschaft notwendig ist.
R.Schinzel