Gerbrunn

Gerbrunner Gespräch: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit | ► 2011

Prekär – bedenklich, peinlich, unsicher – die Definition dieses Wortes stellte der Gesamtbetriebsratvorsitzende der Schaeffler-Gruppe, Norbert Lenhard, an den Anfang seines Vortrags über den Wandel der Arbeitverhältnisse. Norbert Lenhard berichtete im Rahmen der »Gerbrunner Gespräche« über seine Erfahrungen mit dem beängstigenden Wachstum prekärer Beschäftigungsverhältnissen, besonders mit der Leiharbeit.

Ursprünglich gedacht um über den »Klebeeffekt« Arbeitslose wieder in reguläre Beschäftigungsverhältnisse zu bringen, haben Unternehmen seit 2004 Zeitarbeit verbreitet für ihre Interessen eingesetzt. Grund für diese Ausbreitung ist natürlich die Möglichkeit, Lohnkosten zu drücken, aber auch eine Spaltung der Belegschaft zu erreichen. Damit entsteht die Möglichkeit, Druck auszuüben und zu entsolidarisieren. So können sich Zeitarbeiter sehr viel schwerer organisieren.

Mit der Erweiterung der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit im Mai 2011 könnte sich die Situation weiter verschärfen. Was können die Gewerkschaften dagegen tun? Neben der Möglichkeit Mindestlöhne oder gesetzlichen Regelungen einzuführen, scheint – auch wenn es einige Nachteile gibt – die Formel »Gleicher Lohn für gleiche Arbeit« der beste Weg, den Missbrauch der Leiharbeit einzudämmen. So würden dadurch auch die undurchsichtigen christlichen Gewerkschaften gehindert, durch Dumping-Verträge die Tariflöhne zu drücken.

In vielen europäischen Ländern, so in Frankreich (hier müssen sogar 10% Aufschlag gezahlt werden) ist dies bereits der Fall. Daher setzen die Gewerkschaften auf dieses Modell und werden dabei von der SPD unterstützt, um die Mittelschicht zu stützen und der »Unterschicht« eine Aufstiegsperspektive zu geben. Denn die Entwicklung der letzten Jahre hat zu einer Entkopplung der Oberklasse von der Mittelschicht geführt, die gerade in Deutschland immer mehr unter Druck gerät.

In der lebhaften Diskussion betonte Norbert Lenhard, dass es heute nicht mehr um ein paar Prozent mehr Lohn geht, sondern die Gewerkschaften immer mehr mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit konfrontiert wird und damit immer mehr zu ihren Wurzeln zurückkehrt ja zurückkehren muß.