Gerbrunn

Kommunalpolitischer Aschermittwoch | ► 2002

Ganz im Zeichen der Kommunalwahl stand diesmal der traditionelle Kommunalpolitische Aschermittwoch im voll besetzten Versammlungsraum der Mehrzweckhalle, zu dem die örtliche SPD eingeladen hatte.

Nach dem bekannten und allseits beliebten Fischessen stellten sich, launig moderiert vom stellvertretenden Ortsvereinsvorsitzenden Wolfgang Pavel, die Kandidatinnen und Kandidaten auf der SPD-Liste für den Gemeinderat vor. Insbesondere wies Pavel darauf hin, dass auf dieser Liste sieben parteiungebundene Bürger zur Wahl antreten, was dem schon immer gezeigten Bestreben der SPD Gerbrunn entspricht, in die kommunalpolitischen Entscheidungen eine möglichst breite Meinungsvielfalt einzubringen.

Bürgermeisterkandidat Stefan Wolfshörndl sprach Schwerpunkte an, die er als Bürgermeister mit einer starken SPD-Gemeinderatsfraktion umsetzen will. Dazu gehören u.a. flexiblere Öffnungszeiten und ein Bürgerbüro im Rathaus; aktive Bürgerbeteiligung durch Beiräte, das transparent machen von bevorstehenden Entscheidungen durch zusätzliche Bürgerversammlungen, Erhalt der verbliebenen Naherholungsflächen, die Unterstützung von Umweltinitiativen und die Erstellung eines professionellen Verkehrskonzeptes.

Aufgelockert wurde der Abend von der bekannten Gerbrunner Kabarettistin Charlotte Kurth.

Karl Loritz


Und hier ein Gedicht von Charlotte Kurth, am kommunalpolistischen Aschermittwoch vorgetragen:

Zum Aschermittwoch
Karneval und Faschingstreiben
sind vorbei und nun wirds ernst,
weil sich nun Parteien reiben
und damit Du etwas lernst.
Darum druckt man auf Plakaten
in bunten Bildern breit und groß,
was die Kanditaten taten
oder ihre Köpfe bloß.
Es denken selbst die freien Wähler,
bei der SPD da denkt man mit,
die CSU setzt auf den Zähler
sie sei am Menschen dran und fit,
Die SPD so kann man lesen,
war immer mitten drin statt dran,
das war schon immer so gewesen
und fängt nicht erst am Wahltag an.

Es gibt auch Leute die nicht wissen
ob sie können oder sollen,
oder ob sie können müssen,
oder vielleicht wirklich wollen?
Hin und her dreht man den Spies,
wie man das beim brutzeln tut
und zog endlich dann Herrn Kies
wie ein Kaninchen aus dem Hut.

Auch die christlichen Sozialen
gaben sich modern und flott
und hoffen neuerdings bei Wahlen
auf 'ne Frau das walte Gott,
Die SPD fand´s zum Entzücken,
Merkel hat auch erst gelacht,
bis zuletzt auf ihrem Rücken,
doch ein Mann das Rennen macht.
Kandidatin für die Herzen
ist die blonde Gabi jetzt,
warten wir noch bis zum Märzen,
wer am längsten lacht zuletzt,

Von den Gelben und den Grünen
wurde wenig hier gesprochen,
denn die hab'n sich wie die Bienen,
im kalten Winter wohl verkrochen.
Immerhin wurde verkündet
von den Grünen stante pes,
dass man letztlich sich verbindet,
wieder mit der SPD,
denn alleine von dem Kuchen,
und der ist ohnehin ja knapp,
kriegt man bei Alleinversuchen,
überhaupt keinen Happen ab.

Ein Bürgermeister aller Klassen
ist einer für das ganze Haus,
der muß den Blick auch schweifen lassen,
übern Kirchturm weit hinaus
In Gerbrunn bei den Genossen,
hat man wohl nicht ohne Grund,
sich ganz für Wolfshörndl entschlossen,
einen ziemlich jungen Spund,
Doch der Stefan ist ein Heller,
drum hat man ihn auch aufgestellt,
denn nichts im Leben schwindet schneller,
als die Jugend und das Geld.
Ja, das Geld bestimmt auch weiter
alles Tun hier in Gerbrunn,
so ein Amt ist gar nicht heiter,
trotzdem kämpft man hart darum,
Ja, sie alle, wie sie heissen,
lächeln zahnweiß vom Plakat,
womit sie uns hernach bescheissen,
weiß man erst, wenn man sie hat.
Laßt uns unsre Freiheit nehmen,
liebe Leute hier im Saal,
verlaßt den Sessel, den bequemen,
nur ein Narr geht nicht zur Wahl.
Der Bürger darf, das leuchtet ein,
nur im Fasching närrisch sein.

Und Charlotte Kurth hatte zum kommunalpolistischen Aschermittwoch noch etwas ganz Besonderes mitgebracht:

Während des politischen Aschermittwochs bedankte sich Charlotte Kurth für die guten Wünsche und Gaben zu ihrem erst vor kurzem gefeierten 85. Geburtstag. Statt sich Dinge zu wünschen, die »man in meinem Alter sowieso nicht mehr benötigt« hatte sie sich zu ihrem Geburtstag Geldgeschenke zu Gunsten eines guten Zwecks erbeten. Es kamen 325 Euro zusammen.

Dieses Geld überreichte die agile Dame während der Veranstaltung dem stellvertretenden Vorsitzenden des Vereines für offene Jugendhilfe Gerbrunn, Manfred Zink. Dieser bedankte sich im Namen des Vereins sichtlich bewegt für diese unerwartete Spende. Er sprach die Hoffnung aus, dass dieses vorbildliche Verhalten Schule macht, da der Verein für die Jugendlichen immer auf finanzielle Unterstützung angewiesen ist.